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Weißstörche :: Baumwollanbau verdrängt Störche ::  Biobaumwolle in der Türkei

 

Weißstörche in der Türkei

 

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Dr. Kraatz, Storchenhof Loburg: Reisebericht vom Besuch des III. Storchenfestivals in Karaagac am Uluabat-See

 

Der Munzur-Nationalpark soll durch acht Staudämme zerstört werden

 

Türkische Sprichwörter

"Der Kluge bemüht sich, alles richtig zu machen. Der Weise bemüht sich, so wenig wie möglich falsch zu machen"

 

 

 

 

Im Jahr 1974 wurde der Weißstorchbestand in der Türkei auf mehr als 9000 Horstpaare geschätzt. Seitdem nahm er wahrscheinlich stark ab. Bestandsdaten aus Teilgebieten weisen darauf hin. (Nach Angaben des NABU)

Der Verein Die Freunde Gökova - Akyaka's e.V. schätzt, dass jährlich etwa 15.000 bis 30.000 Storchenpaare in der Türkei brüten. Die Brutplätze liegen meist in niedrigen Feuchtgebieten an Bächen oder Feldern bevorzugt in der Nähe von Flüssen und Seen.

Seit den 60er Jahren waren in den Dörfern jedes Jahr mehr und mehr leere Nester zu sehen. Der wichtigste Grund für diesen Rückgang war, dass die Brutstätten zerstört sowie Feuchtgebiete trockengelegt und später für landwirtschaftliche Zwecke genutzt wurden. Auch der enorme Anstieg des Gebrauchs von Pestiziden im Ackerbau führte in der Folge zu einer geringeren Population der Störche in der Türkei.

Weißstorchnest auf der Kuppel der Moschee von Eskikaraagaç Uluabat- Region, Türkei (Foto: F. Arici).Ein weiterer Grund sind die Hochspannungsdrähte, die mit der Zeit auch die Dörfer mit Strom versorgten, in denen aber die Tiere zu Tode kamen, wenn sie ihre Nester anflogen. Da sowohl in unserem Land als auch in ganz Osteuropa die Storch Population abnimmt, könnte hier ein prinzipiell
bewussterer Einsatz von Pestiziden, die Intensivierung der Naturschutzarbeiten und ein verbesserter Schutz der Feuchtgebiete Abhilfe schaffen.

Der Verein der Freunde Gökova-Akyakas begann in der Region Mugla mit dem Schutz der Storch-Brutstätten. In der Provinz Muqla sind seit 1986 die Storchenkolonien ständig gezählt worden. Nach diesen Werten ergibt sich eine stetige Abnahme der Storchenanzahl. Außerdem unterstützt die UNDPGEF/SGP das BIYO-GÖKOVA Projekt, das sich auch mit der Kontrolle und dem Schutz der Nesterregionen befasst.

Das "Störchedorf Akcapinar Projekt" hat das Ziel, in Zusammenarbeit mit der regionalen Verwaltung die Tiere zu schützen und den alternativen, schonenden Tourismus mit dem schon bestehenden zu verbinden. Information bei der folgende Adresse:

)
Verein der Freunde Gökova-Akyakas
Gökova-Akyakayi Sevenler Derneqi
(G.A.S.-Der)
Çakirhan Sok. 9
48640 Akyaka/Ula
Tel. und Fax (90) 0252-243 4334
Email: dernek@akyaka.org
Web: www.akyaka.org

 

Quelle: Die Freunde Gökova - Akyaka's e.V. Störche in der Türkei (pdf)

 

Transitland Türkei

Für die Zugroute der Störche spielt die Türkei eine entscheidende Rolle. In jedem Jahr folgen etwa 500.000 Störche einer Strecke vom Bosporus über Zentralanatolien bis nach Iskenderun an der Mittelmeerküste.

 

Dabei ist die Wahl der genauen Zugroute vor allem von Wind und Wetter abhängig. Teils wird der Golf von Iskenderun direkt überquert, teils bewegen sich die Störche in großen Gruppen die Küste entlang über Syrien in den Libanon.


Die Türkei wird während des Herbstzuges von den Störchen schnell durchflogen, ist aber auch ein wichtiger Rastplatz. Durch das Ende August / Anfang September meist noch hochsommerliche Wetter kommen die Störche gut voran. In der Türkei genießt der Storch als "Mekka- Pilger" einen traditionellen Schutz durch die meist islamische Bevölkerung. Jedoch wird in der Türkei viel gejagt, was immer wieder zur Beunruhigung rastender Storchentrupps führt.

 

Quelle: NABU Internationaler Storchenzensus

 

Weißstörche im Tal des Menderes

Näher untersucht ist der Weißstorchenbestand im Türkischen Tal des Menderes.  Im April und 1996 wurden hier 274 besetzte Horste (Hpa) gezählt. Inzwischen ist die Bestandsentwicklung vor allem aufgrund der Zerstörung von Nahrungshabitaten durch intensive Landnutzung (Baumwollanbau) und Entwässerung von Feuchtgebieten rückläufig.

 

Der in Ornithologie habilitierte Zoologe, pensionierte Studiendirektor und derzeit als Privatdozent an der FU Berlin lehrende Storchenforscher Dr. Hans-Jürgen Stork begann hier im Rahmen zweier Reisen in die Westtürkei Untersuchungen nachdem klar wurde, dass es hier keine landesweite Erfassung im Rahmen des 5. Internationalen Weißstorchzensus geben würde. 

 

Angesichts der dramatischen Veränderungen der Lebensraumstrukturen in den Küstenebenen der Türkei durch Versiegelung mit Gewächshäusern, Trockenlegung, Biozideinsatz und Baumwoll-Monokulturen sollte die Situation der Weißstorchenpopulation dieses ehemals von Störchen bevorzugten Landstriches am Mendes Hinweise auf  die generellen Probleme von Vogelarten dieser Region geben.

 

Untersucht  wurde ein 120 km langes Gebiet von im Westen 10 km Breite, das sich nach Osten bis zum Mündungsgebiet des Menderes auf 20 km Breite öffnet.  Die meisten Storchendörfer liegen am Nord- bzw. Südrand des Tales.

 

Die meisten der 274 Horstbrutpaare brüteten in Dörfern inmitten der Tal-Aue bzw. an Randausbuchtungen des sich im Süden anschließenden Berglandes. Sie stehen in räumlicher Beziehung zu natürlichen Feuchträumen und vielfältig genutzten Ackerflächen.

 

Verglichen mit Mitteleuropa scheint die im 2000 km2 großen Untersuchungsgebiet vorherrschende Storchendichte  (StD) von 14 HPa/100 km2 recht hoch.  Doch lassen verschiedene Untersuchungen von 1969, 1989, 1989 und 1992 auf Bestandsrückgänge schließen.

 

Baumwollanbau verdrängt Störche

Die dramatischen Veränderungen der Lebens- und Nahrungsräume der Störche der letzten Jahre, vor allem durch den Baumwoll-Anbau, dürfte nicht ohne Folgen für Bruterfolg und Bestand geblieben sein.  Wo im April noch flach mit Wasser überstaute riesige Baumwollfelder bis dicht an die Neststandorte in den Dörfern heranreichen, ist keine Nahrung zugänglich, die für die Ernährung der frisch geschlüpften Kücken geeignet wären (wie etwa Regenwürmer).  Amphibien wie auch Insekten sind hier wegen der hohen Dünger- bzw. Pestizidbelastung kaum zu erwarten. Auf keiner der überfluteten Baumwollfelder konnte während der Untersuchung Nahrung suchende Störche beobachtet werden. Gleiches gilt auch für de trocken liegenden Flächen und erst recht für solche, auf denen noch die ca. ein Meter hohen Baumwollstauden des Vorjahres stehen.

 

Um die dichter besetzten Dörfer Ciftliköyu, Caraagacli, Uzumkum, Gölbent oder Kalcik herum zeigte sich im April ein Nebeneinander von Ackerland, Weiden und Mähwiesen.  Äcker waren meist schon unter dem Pflug und wurden von Weißstörchen bevorzugt aufgesucht.  Auch zwischen weidendem Vieh suchten die Störche nach Nahrung. Wo es in den  Randzonen des Tales (bei Nalbantlar) naturnahe Übergänge zu Feuchtwiesen und Seeufern gibt, wurden diese flächen außer von Weißstörchen auch von Reihern, Braunen Sichlern, Löfflern, Enten und Limikolen genutzt.  Zwischen blühendem Wasserhahnenfuß in den reich strukturierten Wasserflächen des Azapsees konnten im April 1996 Dutzende von Zwergkaninchen bei der Balz beobachtet werden.

 

Als Niststandplätze wurden in den Ortschaften Dachfirste, Dachflächen und Schornsteine bevorzugt. Aber bereits 40 % der Paare bevorzugten Elektromasten. Bäume wurden kaum genutzt. Im freien Feld angelegte Horste befinden sich zu einem Drittel auf Bäumen und zu über 50 % auf hohn Gittermasten, die sich durch das ganze Deltagebiet ziehen. Bessere Übersicht über die verbliebenen Nahrungsräume aber möglicherweise auch zunehmende Touristenströme mögen zu einer allmählichen Verlegung der Niststandorte aus den antiken Stätten Orten auf die Masten im freuen Feld beigetragen haben.

 

Aussichten

 

Von der Bevölkerung wurden Unfälle an Elektroanlagen als Ursache für den Rückgang der Weißstorchpopulation genannt, was aber möglicherweise darauf zurück zu führen ist, dass sich Todfunde unter Leitungen und Masten auch von Laien zuordnen lassen.

 

Dr. Stork zufolge ist der Bestand der Weißstörche und anderer Feuchtgebietsvögel des Menderes-Tals dagegen langfristig nur durch konsequenten Schutz der Nahrungsflächen zu halten. Allerdings scheinen Maßnahmen gegen die weitere Intensivierung der Landwirtschaft , insbesondere der teilweise unkontrollierten Ausweitung des Baumwollanbaus und der damit einher gehenden wasserwirtschaftlichen Eingriffe in der gesamten Niederung derzeit jedoch kaum durchsetzbar.

 

Wo illegal angelegte Baumwollfelder - kahl oder mit ihren nicht abgeernteten Stauden - bis in die (im Frühjahr nach gefüllten) Randseen des Tals hinein greifen, sieht Dr. Stork die Gefahr für die Feuchträume besonders gefährdet. Neben dem großflächigen Verlust an Feuchtwiesen kommt es wegen dem großen Einsatz von Düngern und Pflanzenschutzmitteln zu einer folgendschweren  Beeinträchtigung von Wasserqualität, Ufervegetation und Lebensgemeinschaften.

 

Dr. Stork empfiehlt die folgenden Schutzmaßnahmen:

 

  • Ausweitung und strenge Kontrolle von Schutzflächen im Umkreis von Storchendörfern

  • Erhalt bzw. Förderung ursprünglicher bzw. ökologisch orientierter Landnutzungsformen

  • Unterbindung des Baumwollanbaus im Uferbereich von Seen und Feuchtwiesen (Uferrandstreifen-Programm)

  • Aufklärungskampagnen mit den Zielgruppen Kommunalpolitiker, Muftis und Hodscha, Lehrer, Landwirte.

  • Schaffung von Schutzeinrichtungen an Leitungen, Elektromasten und Gittermasten

  • Politischer Druck über internationale abkommen

 

Quelle: Linum Blätter Nr. 6

Dr. Hans-Jürgen Stork: Zum Bestand der Weißstörche (Ciconia Ciconia) im Tal des Menderes (Türkei)

 

Türkei Vorreiter im Anbau

von Bio-Baumwolle

Mehr zum Thema Biobaumwolle

Geerntete Bio-Baumwolle wird in Säcke gefüllt. West-Türkei, Yenipazar

Foto: Otto-Pressebild

 

Beim Anbau ökologischer Baumwolle hatte die Türkei eine Vorreiterrolle inne, die sie bis heute hält. Dies hat auch ökonomische Gründe. Eine Mitte der 1990er Jahre durchgeführte Studie zeigte, dass Landwirte, die Baumwolle konventionell anbauten, zwar durchaus eine höhere Ernte erzielten Landwirte, die nach ökologischen Kriterien  ihre Baumwolle anpflanzten,  erzielten aufgrund des geringeren Inputs und höherer Abnahmepreise aber ein höheres Einkommen.

 Ein großer Abnehmer für Öko-Baumwolle aus der Türkei ist der deutsche Otto-Versand. 540 bis 800 Tonnen pro Jahr plant das Unternehmen zu verarbeiten

.Neben den vielen, relativ kleinen Naturtextilunternehmen engagiert sich hier ein Unternehmen des "Massenmarktes" für biologisch erzeugte Baumwolle.

Basisdaten zur Türkei

Infos auf den folgenden Webseiten

laenderkontakte.de

Auswärtiges Amt

Country Watch

COUNTRIES of the World

Sympathie Magazin "Türkei verstehen"

Indymedia Istanbul

Wikipedia Länderinfo

In Frieden und Würde leben

ai-infos zur Türkei

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Weißstorchbestand in der Türkei (NABU)

Die Freunde Gökova - Akyaka's e.V.

Störche in der Türkei (pdf)

Bird-Links Turkey

GREENPEACE MEDITERRANEAN

METU Birdwatching Society (Turkey)

Organic Agriculture in Turkey 2004

Schutz von Meeresschildkröten

Turkish Birdwatching Group's Homepage

Yelkovan - Turkish Birding Site

WWF Türkei

BAZI ORGANİK ÜRÜNLERİN İLLER BAZINDA ÜRETİMİ

Kultur- und Tourismusministerium: Vogelarten der Türkei