Otto guckte in die Luft
Oh, sieh', welche Wonne hier oben uns blüht,
Wenn kreisend wir schweben im blauen Zenith,
Und unter uns dehnt sich gebreitet
Die herrliche, sonnenbeschienene Welt,
Umspannt vom erhabenen Himmelsgezelt,
An dem nur dein Blick uns begleitet!
Uns trägt das Gefieder, gehoben vom Wind
Die breiten, gewölbten Fittiche sind;
Der Flug macht uns keine Beschwerde;
Kein Flügelschlag stört die erhabene Ruh'.
0, Mensch, dort im Staube, wann fliegest auch du?
Wann löst sich dein Fuß von der Erde?
Und senkt sich der Abend, und ruhet die Luft
Dann steigen wir nieder im goldigen Duft,
Verlassen die einsame Höhe
Dann trägt uns der Flügelschlag ruhig und leicht
Dem Dorfe zu, ehe die Sonne entweicht;
Dann suchen wir auf deine Nähe.
So siehst du im niedrigen Fluge uns zieh'n
Im Abendrot über die Gärten dahin.
Zum Neste kehren wir wieder.
Auf heimischem Dache dann schlummern wir ein,
Und träumen von Wind und von Sonnenschein,
Und ruh'n die befiederten Glieder.
Doch treibt dich die Sehnsucht, im Fluge uns gleich
Dahinzuschweben, im Lüftebereich
Die Wonnen des Flug's zu genießen.
So sieh unsern Flügelbau, miß unsre Kraft,
Und such aus dem Luftdruck, der Hebung uns schafft,
Auf Wirkung der Flügel zu schließen.
Dann forsche was uns zu tragen vermag
Bei unserer Fittige mäßigern Schlag.
Bei Ausdauer unseres Zuges!
Was uns eine gütige Schöpfung verlieh'n.
Draus mögest Du richtige Schlüsse dann zieh'n,
Und lösen die Rätsel des Fluges.
Die Macht des Verstandes, o wend sie nur an,
Es darf dich nicht hindern ein ewiger Bann,
Sie wird auch im Fluge Dich tragen!
Es kann deines Schöpfers Wille nicht sein,
Dich, Ersten der Schöpfung, dem Staube zu weih'n,
Dir ewig den Flug zu versagen!
Otto Lilienthal
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Beruf des Storches
Der Storch, der sich vom Frosch und Wurm
An unserm Teiche nähret,
Was nistet er auf dem Kirchenturm,
Wo er nicht hingehöret?
Dort klappert und klappert er genug,
Verdrießlich anzuhören;
Doch wagt es weder Alt noch Jung,
Ihm in das Nest zu stören.
Wodurch - gesagt mit Referenz -
Kann er sein Recht beweisen?
Als durch die löbliche Tendenz,
Aufs Kirchendach zu...
(Joh. W. von Goethe, 1749-1832) Quelle: "Storch flieg!" Broschüre des BUND
Kreisverb. Bodenseekreis, Tel. 05744/5162
eMail:
bund.markdorf@bund.net |
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Des Löwen Dank
Dem Löwen war vom fetten Braten
Ein Knochen in den Schlund geraten,
Und wollt` es nicht gelingen
Ihn wieder daraus fortzubringen.
Da ließ er kundtun und betonen,
Er werde königlich belohnen,
Wer ihm hier Linderung bereite
Und von dem Knochen ihn befreite
Dem Hofrat Storch mit langem Sabel,
Ich meine seinen langen Schnabel,
Gelang es nun nach vielen Mühen
Den Knochen wieder `rauszuziehen.
Doch als er spricht von seinem Lohne,
Da sagt man ihm in kaltem Tone:
Wer Löwenrachen heil entgangen
Hat wohl des Lohns genug empfangen.
(ca. 5. Jh, in: ewige Weisheit, Spachpoesie des Talmud,
übers. v. M. Weinberg, Hendel, Berlin 1920) Quelle: "Storch flieg!" |

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Septemberliches Lied vom Storch
Die Sonne brennt noch überm Luch,
vom Grummet weht der Grasgeruch,
die Beere kocht im Brombeerschlag
und lang noch steht die Sonn´ im Tag.
Er aber glaubt nicht mehr ans Jahr,
der auf dem First zu Hause war.
Nach Süden schwang sein Flügelschlag,
steht lang auch noch die Sonn´ im Tag.
Die Frösche quarren doppelt hell,
die Maus zeigt unbesorgt ihr Fell.
Der ihnen auf der Lauer lag,
er schwang sich fort vor Tau und Tag,
obgleich noch wie im Sommerwind
die Spinne ihre Fäden spinnt,
die Mücke tanzt im Weidenhag
und lang noch steht die Sonn' im Tag.
Günter Eich
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Storch und Spatz
Es hat der Storch ein Nest gebaut Und als er
froh umher nun schaut Hoch über allen Häusern
Da sitzt vor ihm ein kleiner Spatz Und bittet
um ein wenig Platz Zum Nisten in den Reisern.
Da spricht der Storch: Mein Nest ist groß Du
bist ein kleines Vöglein bloß Ich tu dir nichts
zuleide Du bist in gutem Schutz bei mir
Kein Mietgeld nehme ich von dir ´s Platz da
für uns beide.
Das Spätzlein dankt und baut sich an Der Storch
hat ihm kein Leid getan Und hat ihn nicht
verstoßen Sie wohnten beide lange Zeit
In Frieden und in Ewigkeit Der Kleine bei dem
Großen Von
Karl Enslin
Quelle: Deutsche Wildtierstiftung |
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Storch, Storch, Du Guter,
bring mir 'nen kleinen Bruder!
Storch, Storch, Du Bester,
bring mir 'ne kleine Schwester!
Klapperstorch, Langbein,
bring 'nen Bruder und ein Schwesterlein! |
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Es fliegt ein Storch
Es fliegt ein Storch
übers Haus hin horch,
der trägt ein Fröschel im Schnabel.
Ein Fröschel? Du Schaf!
Für die, die`s betraf,
war das Fröschel im Göschel
ein Knabel.
Christian Morgenstern, 1871-1914
aus: "Im Tierkostüm" in: Sämtliche
Galgenlieder, Manesse, Zürich 1985 |
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DER STORCH
Der Storch kommt aus Egypterland,
Weil Frühlingslüfte riefen.
Er steht auf seinem alten Stand
Und klappert Hieroglyphen.
Da nun Poeten überall
Der Vogelsprache kundig,
So auch den ganzen Klapperschwall
Des braven Storchs verstund ich.
Da er zurück von Pyramid',
Von Nil und Krokodil kam,
So war's ein gar vergnüglich Lied
Vom wunderschönen Nilschlamm.
Ein jeder Storch am Nilschlamm hängt
Und klapprig ihm zu Muth wird,
Wenn er an seinen Nilschlamm denkt,
Und wie's dem Storch da gut wird!
Da krabbelt's hin, da krabbelt's her,
Und allerwegen hüpft es! -
Man geht umher und schmauset sehr,
So glatt hernieder schlüpft es.
Auch weiß der Störche Tradition
Aus grauer Zeit zu sagen:
Die wundervolle Märe von
Egyptens sieben Plagen.
Die Frösche millionenweis'!
Das war ein Morden schmausend! -
O Zeit, du aller Zeiten Preis,
Du schwandest manch Jahrtausend!
Doch ward erzählt von Ahn zu Ahn
Die Sage so vorzüglich -
Jetzt denkt auch dieser Storch daran
Und klappert so vergnüglich.
Heinrich Seidel |
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Der Storch
Habt ihr noch nicht vernommen?
Am Dache sitzt er schon!
Der Storch ist heimgekommen;
hört doch den frohen Ton!
Klapper diklapp, klapper diklapp,
klapper nur, klapper du
immerzu!
Heinrich Hoffmann von Fallersleben |
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