Future-on-Wings e.V.

Storchengedichte

und -lieder

Storch in der Bibel

Das Märchen von Kalif Storch

Storchen-Fabeln

 

Mehr Storchenlyrik und Prosa auf Bluegatter Digital-Art

Störche in Religionen, Kultur und Geschichte

Otto guckte in die Luft

 

Oh, sieh', welche Wonne hier oben uns blüht,
Wenn kreisend wir schweben im blauen Zenith,
Und unter uns dehnt sich gebreitet
Die herrliche, sonnenbeschienene Welt,
Umspannt vom erhabenen Himmelsgezelt,
An dem nur dein Blick uns begleitet!


Uns trägt das Gefieder, gehoben vom Wind
Die breiten, gewölbten Fittiche sind;
Der Flug macht uns keine Beschwerde;
Kein Flügelschlag stört die erhabene Ruh'.
0, Mensch, dort im Staube, wann fliegest auch du?
Wann löst sich dein Fuß von der Erde?
Und senkt sich der Abend, und ruhet die Luft
Dann steigen wir nieder im goldigen Duft,
Verlassen die einsame Höhe
Dann trägt uns der Flügelschlag ruhig und leicht
Dem Dorfe zu, ehe die Sonne entweicht;
Dann suchen wir auf deine Nähe.


So siehst du im niedrigen Fluge uns zieh'n
Im Abendrot über die Gärten dahin.
Zum Neste kehren wir wieder.
Auf heimischem Dache dann schlummern wir ein,
Und träumen von Wind und von Sonnenschein,
Und ruh'n die befiederten Glieder.
Doch treibt dich die Sehnsucht, im Fluge uns gleich
Dahinzuschweben, im Lüftebereich
Die Wonnen des Flug's zu genießen.
So sieh unsern Flügelbau, miß unsre Kraft,
Und such aus dem Luftdruck, der Hebung uns schafft,
Auf Wirkung der Flügel zu schließen.


Dann forsche was uns zu tragen vermag
Bei unserer Fittige mäßigern Schlag.
Bei Ausdauer unseres Zuges!
Was uns eine gütige Schöpfung verlieh'n.
Draus mögest Du richtige Schlüsse dann zieh'n,
Und lösen die Rätsel des Fluges.
Die Macht des Verstandes, o wend sie nur an,
Es darf dich nicht hindern ein ewiger Bann,
Sie wird auch im Fluge Dich tragen!
Es kann deines Schöpfers Wille nicht sein,
Dich, Ersten der Schöpfung, dem Staube zu weih'n,
Dir ewig den Flug zu versagen!

Otto Lilienthal
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Beruf des Storches

Der Storch, der sich vom Frosch und Wurm

An unserm Teiche nähret,

Was nistet er auf dem Kirchenturm,

Wo er nicht hingehöret?

 

Dort klappert und klappert er genug,

Verdrießlich anzuhören;

Doch wagt es weder Alt noch Jung,

Ihm in das Nest zu stören.

 

Wodurch - gesagt mit Referenz -

Kann er sein Recht beweisen?

Als durch die löbliche Tendenz,

Aufs Kirchendach zu...

 

(Joh. W. von Goethe, 1749-1832)

 

Quelle: "Storch flieg!"  Broschüre des BUND Kreisverb. Bodenseekreis, Tel. 05744/5162

eMail: bund.markdorf@bund.net

Des Löwen Dank

Dem Löwen war vom fetten Braten

Ein Knochen in den Schlund geraten,

Und wollt` es nicht gelingen

Ihn wieder daraus fortzubringen.

 

Da ließ er kundtun und betonen,

Er werde königlich belohnen,

Wer ihm hier Linderung bereite

Und von dem Knochen ihn befreite

 

Dem Hofrat Storch mit langem Sabel,

Ich meine seinen langen Schnabel,

Gelang es nun nach vielen Mühen

Den Knochen wieder `rauszuziehen.

 

Doch als er spricht von seinem Lohne,

Da sagt man ihm in kaltem Tone:

Wer Löwenrachen heil entgangen

Hat wohl des Lohns genug empfangen.

 

 

(ca. 5. Jh, in: ewige Weisheit, Spachpoesie des Talmud, übers. v. M. Weinberg, Hendel, Berlin 1920)

 

Quelle: "Storch flieg!" 

 

 

 

 

 

Septemberliches Lied vom Storch


Die Sonne brennt noch überm Luch,
vom Grummet weht der Grasgeruch,
die Beere kocht im Brombeerschlag
und lang noch steht die Sonnī im Tag.

Er aber glaubt nicht mehr ans Jahr,
der auf dem First zu Hause war.
Nach Süden schwang sein Flügelschlag,
steht lang auch noch die Sonnī im Tag.

Die Frösche quarren doppelt hell,
die Maus zeigt unbesorgt ihr Fell.
Der ihnen auf der Lauer lag,
er schwang sich fort vor Tau und Tag,

obgleich noch wie im Sommerwind
die Spinne ihre Fäden spinnt,
die Mücke tanzt im Weidenhag
und lang noch steht die Sonn' im Tag.

Günter Eich

Storch und Spatz

 

Es hat der Storch ein Nest gebaut

Und als er froh umher nun schaut

Hoch über allen Häusern

Da sitzt vor ihm ein kleiner Spatz

Und bittet um ein wenig Platz

Zum Nisten in den Reisern.

 

Da spricht der Storch: Mein Nest ist groß

Du bist ein kleines Vöglein bloß

Ich tu dir nichts zuleide

Du bist in gutem Schutz bei mir

Kein Mietgeld nehme ich von dir

īs Platz da für uns beide.

 

Das Spätzlein dankt und baut sich an

Der Storch hat ihm kein Leid getan

Und hat ihn nicht verstoßen

Sie wohnten beide lange Zeit

In Frieden und in Ewigkeit

Der Kleine bei dem Großen

 

Von Karl Enslin

Quelle: Deutsche Wildtierstiftung

 

 

Storch, Storch, Du Guter,
bring mir 'nen kleinen Bruder!
Storch, Storch, Du Bester,
bring mir 'ne kleine Schwester!
Klapperstorch, Langbein,
bring 'nen Bruder und ein Schwesterlein!

Es fliegt ein Storch

Es fliegt ein Storch

übers Haus hin horch,

der trägt ein Fröschel im Schnabel.

Ein Fröschel? Du Schaf!

Für die, die`s betraf,

war das Fröschel im Göschel

ein Knabel.

 

Christian Morgenstern, 1871-1914

aus: "Im Tierkostüm" in: Sämtliche Galgenlieder, Manesse, Zürich 1985