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Dipl.- Ing. Nasser Shehadeh
Die Wasserwirtschaft
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Leben in Flüchtlingslagern :Die Flüchtlinge leben in acht Flüchtlingslagern mit einer Fläche von acht Quadratkilometer. Bis zu 100.000 Flüchtlinge müssen auf einem einzigen Quadratkilometer leben. Im Extremfall steht in manchen Gebieten für Wohnraum sowie für die soziale und technische Infrastruktur theoretisch eine Fläche von ca. 10 m² pro Person zur Verfügung. |
Bevölkerungsentwicklung:Die Bevölkerungsentwicklung ist ein wichtiger Parameter für den zukünftigen Wasserbedarf. Mit der Entstehung des Staates Israels im Jahr 1948 ist die Bevölkerung im Gazastreifen wegen der Vertreibung der Palästinenser aus ihrer Heimat sprunghaft um über 60 % gestiegen. Die aktuelle jährliche Zuwachsrate beträgt 3,5%. Demnach würde die Einwohnerzahl im Jahre 2024 ca. 3 Mio. Einwohner betragen. Entsprechend dieser Entwicklung steigt theoretisch der Trinkwasserbedarf und insbesondere der Bedarf der Landwirtschaft und der Industrie.
Abbildung 2 : Quelle : Prognose aus : |
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Die Wasserressourcen Der Niederschlag :
Nur in den Wintermonaten von Mitte Oktober bis Ende März fallen Niederschläge. Die jährlich fallenden Niederschläge nehmen von Norden (450 mm) nach Süden (200 mm) ab. Ebenso nehmen sie mit zunehmender Entfernung von der Küste zu. (Siehe Abbildung 3)
Im Durchschnitt kann von 317 mm Niederschlagshöhe im Jahr ausgegangen werden. Der Niederschlag ist nach dem aktuellen Stand die einzige Wasserressource, die den Menschen für ihre gesamten Bedarfszwecke zur Verfügung steht.
Abbildung 3: Verteilung der Niederschläge |
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Die Verdunstung: Die potentielle Verdunstung
beträgt 1200 - 1400 mm pro Jahr. Nur in den Wintermonaten übertrifft die
Niederschlagsmenge die Verdunstungsrate. Von den fallenden Niederschlägen
verdunsten ca. 60 % . Der Rest der Niederschläge versickert im Boden und
reichert das so genannte Küstenaquifer an oder fließt in den
Trockenflussbetten (auf Arabisch „Wadis“) ab .
Die traditionellen Wasserressourcen
Im Durchschnitt fallen
jährlich 115 Mio.m³. Die jährliche durchschnittliche Erneuerungsrate des
Grundwassers durch Niederschläge beträgt nach unterschiedlichen
Schätzungen nur 45 Mio. m³. In den niederschlagsreichen Jahren kann diese
Rate in seltenen Fällen 167 Mio. m³ erreichen. Dramatisch ist die
Situation, wenn diese Rate nur noch 40 Mio. m³ pro Jahr erreicht. Niemand
weiß, wie sich die zukünftig zu erwartende Klimaschwankung auf die
jährlichen Niederschläge auswirken wird.
Oberflächenwasser existiert abgesehen von wenigen saisonal bedingten
Ausnahmen (im Winter) nicht. Einige Trockenflussbette entwässern
höher gelegene Gebiete im Osten in Richtung Westen zum Mittelmeer.
Diese auf Arabisch so genannten Wadis sind charakteristisch für die ariden
oder semi-ariden Gebiete . Sie führen zeitweise in den Wintermonaten
Wasser. |
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Abbildung 4: Quelle: Applied Research Institute Jerusalem.
Das Wasserdargebot pro Kopf und Jahr : Für die Bevölkerung des Gazastreifens, die zur Zeit 1,5 Mio. Einwohner beträgt, stehen im Jahr 50 Mio. m³ (durch Niederschläge) erneuerbare Wasserressourcen (Grundwasser und Oberflächenwasser) zur Verfügung. Somit ergibt sich pro Kopf und Jahr ein Wasserdargebot von : 36 m³. Aus dieser Menge muss außer dem Trinkwasserbedarf auch anderer Brauchwasserbedarf erfüllt werden! Zum Vergleich: In Deutschland beträgt statistisch allein der Trinkwasserbedarf pro Kopf und Jahr ca. 47 m³. Dem nach ist eine wirtschaftliche oder industrielle Entwicklung unter der aktuellen Bedingungen wegen des Wassermangels nicht möglich. Je nach Konsumverhalten wird für die genannten Zwecke tatsächlich bis 2000 m³ pro Kopf und Jahr benötigt. Ein Menge von 500 m³ bedeutet Wasserstress . Diese Werte verdeutlichen die absolute Wassernot in Gazastreifen mit gerade 36 m³ pro Kopf und Jahr.
Es entstehen also extreme quantitative Defizite im Wasserdargebot. Dies resultiert vor allem aus den bereits erwähnten klimatischen Bedingungen. Zusätzlich führt der demographische Zuwachs, der durch die gewaltsame Vertreibung der Palästinenser im Jahr 1948 entstand und durch die natürliche Bevölkerungsentwicklung verstärkt wird, zwangsläufig zu einem stetig abnehmenden pro-Kopf- Anteil in Bezug auf das Wasserdargebot. Dieser akute Wassermangel führt zu einer extremen Übernutzung der vorhandenen Grundwasserreservoirs. Es wird jährlich doppelt soviel, nämlich 80 Mio. m³ entnommen, wie die Erneuerungsrate beträgt. Die Folge ist ein zusätzliches Absinken des Grundwasserspiegels und eine zunehmende Salzkonzentration, die durch das Eindringen des Meerwassers entsteht. Es ist zu befürchten, dass der Zustand des Grundwassers irreversibel ist. Ein weiterer einschränkender Faktor ist die zunehmende Verschmutzung vorhandener Ressourcen durch ungeklärtes Abwasser sowie die unsachgemäße Verwendung von Düngemitteln und Schädlingsbekämpfungsmitteln (Pestiziden). Das bedeutet de facto ein quantitatives Defizit der Wasserressourcen und das für den Trinkwasserbedarf nur ein Teil der vorhandenen Wasservorkommen geeignet ist.
Die Qualität vorhandener Wasserressourcen Die Summe der verfügbaren traditionellen Wasserressourcen ( Grundwasser und Oberflächenwasser) reichen im Idealfall nicht einmal für Trinkwasserzwecke aus, ganz zu schweigen von landwirtschaftlichen und industriellen Zwecken. Denn die Qualität des Grundwassers ist aufgrund zunehmender Verschmutzung und Versalzung nur bedingt zur Wasseraufbereitung geeignet.
Hohe Nitratkonzentration im Grundwasser: So überschreitet z.B. die Nitratkonzentration nicht selten 300 mg / Liter, also weit mehr als der von der WHO empfohlene Wert von 50 mg/Liter. Nitrat gelangt über landwirtschaftliche Düngung ins Grundwasser. Die extrem hohe Nitrat-Konzentration kann bei Kleinkindern zur Erkrankung an Blausucht führen, und führt außerdem zur Bildung von toxischem Nitrit und krebserregenden Nietrosaminen.
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Belastung des Grundwassers durch Chloride infolge Übernutzung: Durch stetige Absenkung des Grundwasserspiegels entsteht aufgrund von Gesteinsauswaschungen eine erhöhte Salzkonzentration. Als weitere Ursache wird landwirtschaftliche Düngung und das Abwasser erwähnt. Unbedenklich laut EG-Richtlinie ist ein Grenzwert von 25 mg/l in der Chlorid-Konzentration, während die deutsche Trinkwasserverordnung einen höheren Grenzwert von 250 mg /l zulässt. Eine extrem hohe Chlorid-Konzentration von über 1000 mg / Liter ( siehe Abbildung 6) macht jedoch das Wasser für den menschlichen Genuss ungeeignet. Mangels Alternativen müssen die Menschen auf das salzhaltige Wasser zugreifen und dabei mögliche Gesundheitsrisiken in Kauf nehmen. Fallstudien belegen bei erhöhter Chlorid-Konzentration gesundheitliche Risiken wie Herzversagen, Nierenschäden und neurologische Störungen.
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Problematik der Abwasserableitung und Klärung : Nach Angaben der Palestinian National Information Center (PNIC) ist der Anschlussgrad der Haushalte , die ihr Abwasser in die öffentliche Kanalisation ableiten 60 %. Der Rest der Haushalte entsorgt sein Abwasser in Sickergruben. Das führt zu Belastung des Bodens und Grundwassers vor allem mit Nitrat. Abgeleitetes Abwasser wird nur mechanisch geklärt und entweder ins Meer entsorgt oder in großen Teichen gesammelt, was zu gesundheitlichen Belastungen, ästhetischen Problemen und Geruchsbelästigung führt und damit eine große Umweltbelastung darstellt. |