Future-on-Wings e.V.

WARUM AUF SCHWINGEN?

Beweggründe für die Entwicklung

zukunftsfähiger Nord-Süd-Ost-West - Beziehungen

 

Auswirkung des Klimawandels auf Vögel

 

Artenschwund :: Biokost ::  Baumwolle ::  Energieverbrauch  ::  Ernährungssicherheit :: Fleischverzehr:: Giftverzehr :: Gesundheit ! :: Klimawandel :: Naturverbrauch :: Ölverbrauch :: Tourismus :: Überfischung :: Überfluss :: Wasser :: Wohlstandsverteilung ::  Flächenverbrauch :: Ökologie der Meere :: Gewalt :: Konzentration von Macht :: Menschenwürde :: Ihr Vorschlag für eine Ergänzung

Der gedopte Wohlstand

BAUMWOLLE   MACHT   PROBLEME

WOHIN AUF SCHWINGEN?

Bio-Baumwolle als Mittel nachhaltiger Entwicklung

 

 

 

Future-Links Baumwolle

 

Wikipedia über Baumwolle

Geschichte der Baumwolle

1. Wunderbare Baumwolle

2. Wirtschaftsfaktor Baumwolle

3. Dumping

4. Baumwollkatastrophen 

5. Macht Baumwolle die Erde

     wüst und leer?

5. Wie nachhaltig ist Bewässerung? 

Kinderarbeit auf den

    Baumwollfeldern Ägyptens  

7. Gefährdung der Storchenpopulation

    durch Baumwollanbau in der Türkei 

7. Bio-Baumwolle macht zukunftsfähig 

8. Baumwolle News

 

Wunderbare Baumwolle

Zurecht ist Baumwolle ein beliebter Rohstoff für Kleidungsstücke. Baumwollkleidung kann sehr viel Feuchtigkeit aber auch Salze, Säuren und Hautfett aufnehmen. Sie fühlt sich noch trocken an, wenn sie 20 % ihres Gewichtes an Wasser aufgesogen hat und tropft erst, wenn sie zu mehr als 65 % vollgesaugt ist. Baumwollfasern sind nass noch reißfester als trocken, und deshalb hervorragend waschbar. Weiße oder farbechte Baumwollartikel können gekocht und heiß gebügelt werden, was im Hinblick auf die Hygiene bedeutsam ist. Baumwolltextilien sind zwar kaum Wärme isolierend, dafür aber atmungsaktiv. Sie fühlen sich weich an, sind sehr angenehm auf der Haut zu tragen, verfilzen nicht und laden sich nicht elektrostatisch auf. Allerdings sind Baumwollfasern kaum elastisch und knittern stark. Sie gehen beim Waschen stark ein.

Quelle: www  biothemen de

 

 

 

 

 

 

Ab Herbst 2007 gibt es in Deutschland Textilien mit Faire-Trade Baumwolle

 

 

1. Wirtschafts(macht)faktor Baumwolle

Seit mindestens 5000 Jahren wird Baumwolle zu Stoffen und Kleidung verarbeitet.  Die Maya im heutigen Mexiko und die Inka in Peru bauten ab ungefähr 5000 v. Chr. bereits planmäßig Baumwolle an. Ähnliches weiß man aus Indien und Pakistan.

Heute deckt Baumwolle die Hälfte des globalen Faserbedarfs. Rund 200 Millionen Menschen aus 72 Ländern sind in der Baumwollwirtschaft beschäftigt. 60% der Baumwolle stammt aus so genannten „Entwicklungs- und Schwellenländern“. Für diese ist er eine wichtige Devisenquelle. Allein in West- und Zentralafrika (u.a. Mali, Senegal, Benin, Burkina Faso, Togo und Tschad) leben rund 10 Millionen Menschen vom Baumwollanbau.  Benin erwirtschaftet 75 % seiner Devisen mit dem Export von Baumwolle.

Baumwollsamenöl wird zudem als Speisefett genutzt und dessen Pressrückstände zu Viehfutter verarbeitet. In Mali, Burkina Faso, Togo und  im Tschad  ist  Baumwollöl das gebräuchlichste Speisefett. Auch in der Elfenbeinküste und in Kamerun gibt es dafür eine große Nachfrage.

Auch die chemische Industrie lebt gut vom Naturprodukt Baumwolle: Auf Baumwollfeldern werden Jährlich Chemikalien  im Wert von 2 Milliarden US Dollar eingesetzt.

78 % der Weltproduktion fallen auf die sechs Länder China, USA, Indien, Pakistan, Usbekistan und die Türkei. Die Türkei erwirtschaftet 50 Prozent seiner Devisen mit dem Baumwollanbau – allerdings mit abnehmender Tendenz.

 
 

Entwicklung

Seit den 30er Jahren hat sich die globale Anbaufläche für Baumwolle kaum verändert. Durch großflächigem Anbau, künstliche Bewässerung und hohem Einsatz von Kunstdüngern und Pflanzenschutzmitteln sowie der Einführung so genannter "Hochertragssorten" konnten die Erträge pro ha allerdings um das Dreifache gesteigert werden.

 

Aber wie nachhaltig ist der gewonnene Wohlstand?:

Die Lebensgrundlage für die Menschen in den Anbaugebieten von Baumwolle, aber auch die weltweite Versorgung mit Baumwolle, ist auf vielerlei Art gefährdet:

 

  • Durch das Auswaschen der Spritzmitte gelangen diese ins Grundwasser.  Direkt über das Trinkwasser oder indirekt über die Nahrungskette gelangen die Pflanzenschutzmittel als „Mitgift“ auch in den menschlichen Organismus.

  • Durch den Kontakt mit den giftigen Spritzmitteln entstehen gesundheitliche Probleme. (Oft besteht Unwissenheit über die Schädlichkeit des Kontakts mit diesen Mitteln)

  • Durch Bodenverseuchung werden Nachfolgekulturen eingeschränkt. Weil die den Boden belebenden Mikrooranismen durch die vielen chemischen Mittel geschädigt werden, verdichten die Böden und verlieren ihre Fruchtbarkeit.

 

Wo die Alphabetisierungsrate niedrig ist, unter Armutsbedingungen gewirtschaftet wird und der Zugang zu Information schwierig oder kaum möglich ist, bestehen im landwirtschaftlichen Bereich besondere Probleme:

 

  • Abhängigkeiten von Kreditgebern, die nur dann Kredite vergeben, wenn die Bauern auch Pestizide beziehen und einsetzten

  • Missbrauch ausgedienter Pestizidbehälter als Transport- und Aufbewahrungsgefäße für Trinkwasser und Lebensmittel

  • Unwissenheit über die Giftigkeit der eingesetzten chemisch-sysntetischen Pestizide,

  • Verkauf lose abgepackter Pestizide ohne Angabe über Inhalt, Formulierung oder Vorsichtsmaßnahmen,

  • unsachgemäße Lagerung von Pestiziden und deren Ausbringung ohne Schutzvorkehrungen.

Ökonomische Belastungen treiben immer mehr Baumwollbäuerinnen und Bauern in die Verschuldung.

  • Steigende Kosten für chemische Mittel zur Schädlingsbekämpfung,

  • gefallene Rohstoffpreise und

  • Exportsubventionen der USA und der EU

 

Viele geraten in eine verzweifelte Lage:

Weil die Bodenfruchtbarkeit durch den intensiven Anbau stetig abnimmt, muss immer mehr Geld für Pestizide und Düngungsmittel ausgegeben werden, während die Erträge und somit die Einnahmen sinken.

Um ausreichend Saatgut und Pflanzenschutzmittel kaufen zu können, müssen viele Kleinbauern immer wieder Kredite aufnehmen und verschulden sich. Dieser Teufelskreis wird noch verstärkt durch die Situation auf dem Weltmarkt:

Die Kleinbauern in den armen Ländern verdienen daher kaum noch etwas an ihrer, häufig mit einfachen Hilfsmitteln produzierten Baumwolle.  In den Baumwoll-Anbaugebieten Indiens und Westafrikas nehmen sich immer mehr Kleinbäuerinnen und -bauern das Leben. Menschenrechtsorganisationen in Indien sprechen von insgesamt etwa einer Millionen Selbstmorden in den Jahren zwischen 1995 und 2003. Inzwischen legte die Regierung ein Hilfsprogramm auf. (Siehe ND vom 5. Juli 2006).

 
 

Verdrängungs-Dumping der großen Wirtschaftsmächte

Zwischen 1997 und 2002 ist der Weltmarktpreis für Baumwolle um knapp 40 Prozent gefallen.

Nach Berechnungen des Internationalen Baumwollkomitees (ICAC) steigerten die Sahel-Staaten ihre Produktion von 2000 bis 2002 um 14 Prozent, während die Exporterlöse im selben Zeitraum um 31 Prozent sanken.

Als wesentlicher Grund hierfür wurden die Subventionen genannt, die den großen Baumwollproduzenten an die Landwirte zahlen, vor allem die USA aber auch der EU und China. Zwischen 1998 und 2002 bauten die USA ihre Subventionen für die eigene Baumwolle von 600 Millionen auf 3,7 Milliarden US$ aus und steigerten so ihren Weltmarktanteil von 25 auf 37 Prozent. 

Die USA haben ihre Beihilfen für die Baumwollbauern innerhalb der vergangenen vier Jahre versechsfacht. Sie geben für Subventionen an ihre 25.000 Baumwollfarmer etwa dreimal so viel aus wie für die Entwicklungshilfe an die rund 500 Millionen Menschen in Afrika. In der Europäischen Union hat sich die Baumwollproduktion dank großzügiger Subventionspolitik in den 90er Jahren verdoppelt.  Nirgends auf der Welt erhalten die Baumwollproduzenten mehr Beihilfe pro Ballen als in der EU.

Würden die reichen Industrienationen die Subventionen für den Baumwollanbau in ihren Ländern von derzeit 4,9 Milliarden US $ streichen, hätten die Kleinbauern und Kleinbäuerinnen Westafrikas Mehreinnahmen von 250 Millionen US$. Fünf Prozent der Bevölkerung könnten sich dadurch aus absoluter Armut befreien.

 
 

2. Gefährliche „Mitgift“

Unter feucht-heißen Bedingungen vermehren sich Krankheiten und Schädlinge rasant.  Verschlimmert wird der Befallsdruck in großflächigen Monokulturen, die Jahr für Jahr auf den gleichen Flächen angelegt werden. Kaum ein anderes Gewächs ist so attraktiv für Kapselwürmer, Käfer, Spinnmilben und andere Schädlinge.

Bereits das Baumwoll-Saatgut wird mit Quecksilberverbindungen gebeizt oder mit Pilzbekämpfungsmitteln behandelt. Später werden die Baumwollpflanzen bis zu 14-mal pro Ernte mit Pestiziden besprüht. Zur Kostensenkung und Produktivitätssteigerung wird die weiße Naturfaser oft maschinell geerntet. Davor ist es notwendig das grüne Kraut durch den Einsatz von Entlaubungsmitteln abzutöten 

 

Die Erntequalität wird durch den Maschineneinsatz allerdings nicht verbessert, denn auch unreife oder verdorbene Fasern sowie Kapsel- oder Blattstücke werden von den Maschinen mit erfasst. So wird verständlich warum T-Shirts, die für sehr wenig Geld zu kaufen sind, nach einmaligem Tragen und Waschen bereits alt aussehen.

Ein Drittel bis zur Hälfte des möglichen Ertrags von Baumwolle fällt dem Schädlingsbefall zum Opfer. Um dem entgegen zu wirken verbraucht der Baumwollanbau bei einem Anteil von 2,4 Prozent der weltweiten Ackerfläche mindestens ein Zehntel der weltweit angewandten Pestizide, darunter einige der gefährlichsten Nervengifte und ca. 25 Prozent des weltweit eingesetzten Insektizide.

Die am häufigsten verkauften Baumwollinsektizide müssen als Breitbandmittel angesehen werden, d.h. sie bewirken einen "Rundumschlag" gegen sämtliche Insekten, egal ob "Schädling" oder "Nützling". Nur ca. 10 Prozent der insektiziden Wirkstoffe werden spezifischen Produkten zugeordnet, die gezielt gegen bestimmte Schadorganismen wirken.  Aufgrund der Zunahme von Resistenzen bei den anvisierten Schädlingen nimmt auch die Zahl der

 

Spritzungen pro Jahr stetig zu. Immer mehr Pestizide gegen die immer weiter zunehmende Zahl an resistenten Schädlingen verschlingen 50% bis 70% der Erlöse. 

Die intensive Nutzung toxischer Insektizide und anderen gefährlicher Chemikalien im Baumwollanbau haben ernste Folgen für Gesundheit und Umwelt, Landwirten und Feldarbeiter werden vergiftet, Wasser verunreinigt, und es kommt auch auch zu  massenhaftem Sterben von Vögeln und Fischen. Die wichtigsten Baumwollpestizide sind  besonders gefährlich für Wasserlebewesen.

Nach WHO-Schätzungen sind 550 Millionen Menschen in den Entwicklungsländern den Pestizid-Gefahren ausgesetzt. Etwa drei Millionen Menschen erkranken und ca. 28.000 Menschen sterben jährlich an ihren Folgen – 77 Menschen täglich - und in der Statistik fehlen Langzeitvergiftungen wie Krebs, Erbgutveränderungen und Allergien.

Zwar haben die so genannten "Entwicklungsländer der Dritten Welt" am globalen Pestizidverbrauch nur einen Anteil von 25%, bei den Vergiftungen liegt er aber bei 50% und bei den tödlich endenden bei 75%. Es mangelt an Aufklärung über die Gefahren der Pestizide und dem Umgang damit, an Etikettierungen und Alphabetisierung. Mangel herrscht an Arbeitsschutz-, Lagerungs- und Waschmöglichkeiten, ganz zu schweigen von Gegenmitteln für den Vergiftungsfall.

Aufgrund der zunehmenden Resistenz gegen Insektenvernichtungsmittel erlaubte z.B. die Regierung des westafrikanischen Landes Benin in der Anbausaison 1999/2000 die Wiedereinführung des umstrittenen Insektizids Endosulfan. Hierbei handelt es sich um einen Organophosphat-Wirkstoff, der als Nervengift bekannt ist und in der Regel akut toxisch wirkt. Wegen Vergiftungsfällen und gesundheitlichen Problemen war das Insektengift zwischenzeitlich nicht zugelassen. Die Folgen der Wiedereinführung waren und sind verheerend: Nicht nur die anvisierten Schädlinge wurden getötet, sondern auch Männer, Frauen und Kinder fielen dem Gift zum Opfer. Allein in der Hauptanbauregion für Baumwolle in Benin wurden in der Anbausaison 1999/2000 offiziell 73 Vergiftungsfälle registriert, 37 davon mit tödlichem Ausgang. Inoffiziell werden die Zahlen noch weitaus höher eingeschätzt. Die Zulassung für Endosulfan blieb dennoch weiter bestehen, und auch in der folgenden Anbausaison wurde das Problem trotz verschiedener Kampagnen und Radiosendungen über die Gefahren des Insektenvernichtungsmittels nicht gelöst. Nach Recherchen der Organisation Béninoise pour la Promotion de l’Agriculture Biologique (OBEPAB) waren in der Saison 2000/2001 in zwei Baumwollanbaugebieten in Benin insgesamt 265 durch Pestizide verursachte Vergiftungsfälle zu verzeichnen, 24 davon mit tödlichem Ausgang. 11 der tödlichen Fälle betrafen Kinder unter 10 Jahren

Etwa 10 Prozent des Chemiecoctails verbleiben auf den Textilien und treffen so auch die Endkonsumentinnen und Konsumenten.


Quellen:

Clean Clothes Campaign, Welthandel 2/99

Der Rabe Ralf 3/2001

Pestizid Aktions-Netzwerk e.V., Hamburg, Gefährliche Exporte, 1990/ Von der Kunst, Baumwolle ohne Chemie zu ernten, 1996

http://www.pan-germany.net/baumwolle/de/hintergrund.htm

Baier, A.: baumwolle.organic, Informationsmappe, Pestizid Aktions-Netzwerk e.V., Hamburg 2001

 
 

3. Baumwoll-Katastrophen

Das Bild zeigt durch Baumwollanbau trocken

gefallene Flächen des Aralsees.

In vielen Fällen führten die Intensivierung und der Ausbau der Produktion zur Austrocknung von Böden, Flüssen und Seen sowie deren Versalzung und nachhaltigen  Kontamination mit der eingesetzten Agrochemie. Der Aralsee liegt in Zentralasien inmitten von großen Wüsten und Steppen. Einst war der viertgrößte See der Welt. In der Mitte des 20. Jahrhunderts nahm er eine Fläche von 66 900 km², das ist beinahe die Größe des Bundeslandes Bayern. Übrig blieben drei Seen von insgesamt einem Viertel der ursprünglichen Ausdehnung.   

>Zwei Ströme, der Amu-Darja und der Syr-Darja, speisten den See mit Wasser aus dem Pamir und dem Tien-Schan-Gebirge. Am Ufer des Aralsees gab es die berühmten Turgajwälder, Urwälder, in denen Tiger, Schakale, Hyänen und die schönsten Vogelarten lebten.

Baumwollanbau und Bewässerungsprojekte wurden bereits im Zarenreich des 19. Jahrhunderts entwickelt. Die Sowjetunion trieb das Begonnene mit der ihr eigenen Gigantonomie voran.  Um größter Baumwollexporteur der Welt zu werden, gruben die Sowjets 700.000 Kilometer Bewässerungskanäle in die Steppen Kasachstans und Usbekistans  -und damit den mächtigsten Flüssen der Region das Wasser ab. Seit Jahrzehnten erreicht nur noch wenig Wasser dieser Flüsse den See. Es wird zunehmend abgezweigt, um aus den Wüsten Äcker zu machen. Wurden 1960 noch 4,5 Millionen Hektar künstlich bewässert, waren es im Jahr 2000 schon 8 Millionen Hektar.  Das Wasser, das die Region noch erreicht, ist von Landwirtschaft und Industrie verschmutzt. Der See stirbt.

Von 1960 bis heute sank der Wasserspiegel um 22 m. Die Fläche des Sees ging in der Zeit um 40 % zurück, das Wasservolumen um 70 %. Gleichzeitig stieg der Salzgehalt an. 1960 lag der Salzgehalt des Sees bei ca 0,9 %. Bis 1980 hatte er sich bereits auf 1,65 % und bis Mitte der Neunziger Jahre auf 3 % erhöht. Heute wird im großen See eine durchschnittliche Salinität von 7, 8% (78 g/L) gemessen, fast das Doppelte des Salzgehaltes der Meere. Der Aralsee ist biologisch tot. Die Fischerei, die einst 60.000 Fischer und ihre Familien ernährte, gibt es nicht mehr. Ehemalige Hafenstädte, Bade- und Uferorte liegen heute mitten in der Wüste, mehr als 100 km von der Uferlinie entfernt.

Zurück blieb eine Salz- und Staubwüste, die durch jahrzehntelange hohe Einträge an chemischen Mitteln zudem hoch giftig ist. Die Katastrophenregion umfasst ein Territorium von 473 000 km² - größer als Schweden. In ihr leben 3,8 Mio Menschen. Das Epizentrum dieser Katastrophenregion ist die Republik Karakalpakstan in Usbekistan mit einer Fläche von 165 300 km² und einer Bevölkerung von 1,5 Mio. Menschen

Untersuchungen der Universität Almarty ergaben, dass von den ehemaligen Seeböden zwischen 1070 und 1990 mehr als 2,8 Milliarden Tonnen Feinstaub, Sulfate und Chloride durch Stürme und Verwirbelungen in die Atmosphäre gelangt sind. Überall auf den Feldern Zentralasiens und sogar auf den Gletschern des Tientschans wurden Salz und Sand des aralsees nachgewiesen und richten dort schwere Schäden an.Die Gletscher verkraften die Salzfracht nicht und schmelzen.

Mit dem Luftstrom gelangen eine solche Menge dieser Schadstoffe auch in die höheren Schichten der irdischen Lufthülle, dass sie die globale Luftverschmutzung um ca. 5 % ansteigen ließen. Pestizide aus der Aralregion können sogar im Blut von Pinguinen der Antarktis nachgewiesen werden.

Quelle: Wikipedia und taz vom 22.10.07

 

Der infolge des Baumwollanbaus austrocknende Aralsee ist nur die sichtbare Spitze des Eisberges. In Pakistan und Griechenland ist in den Gegenden, in denen Baumwolle angebaut wird, das Grund- und Trinkwasser verseucht. In Kalifornien sank der Grundwasserspiegel. In Südaustralien versalzten Böden und das Grundwasser. Entlang der Bewässerungskanäle versumpfen die Böden. In Pakistan und Ägypten trägt der Baumwollanbau zur Verbreitung der Wüsten bei. Dies sind nur einige Beispiele.

4. Macht Baumwolle die Erde wüst und leer?

Falsche Bewässerung macht auch bei anderen Agrarprodukten Probleme. Und nicht immer bedeutet Baumwollanbau Wasserverschwendung.

Grundsätzlich ist es ein Unterschied, ob Baumwolle mit Bewässerung oder im Regenfeldbau stattfindet.

Am wenigsten Probleme ökologischer Art macht Baumwollanbau in Regenfeldbau der auf etwa der Hälfte der weltweiten Anbaufläche betrieben wird. In Westafrika ist eine Bewässerung der Baumwollfelder (noch) unüblich. In Mali (Westafrika) erfolgt der gesamte Anbau in Regenfeldbau.

Stehen keine ausreichenden Niederschläge zur Verfügung, wird das Wasser aus Flüssen entnommen oder über Tiefbohrungen aus der Erde gefördert. Der Bewässerungsanbau bringt mehr Erträge als der Regenfeldbau. Deshalb kann die Bewässerungslandwirtschaft auf der Hälfte der Anbaufläche etwa 70 Prozent der Baumwolle produzieren.

 

5. Wie nachhaltig ist die

Bewässerungslandwirtschaft

im Baumwollanbau?

Baumwollanbau benötigt viel Wasser. Im Durchschnitt wird beim Anbau von Baumwolle derzeit etwa so viel Wasser verbraucht, wie in allen Privathaushalten der Erde zusammen genommen. In der Wüstensteppe des Sudan werden dem Nil für den Baumwollanbau jährlich etwa 3,9 km³  Wasser entnommen. Der Baumwollanbau für eine Jeans verschlingt bis zu 8.000 Liter Wasser (Angabe von PAN, Pestizid Aktions Netzwerk). Nach Berechnungen des Wuppertal Instituts werden in einigen Teilen der Welt mehr als 40.000 Liter Wasser benötigt.) Die Bewässerung führt in bestimmten Klimazonen nicht nur zur Bodenerosion, sondern auch zur Versalzung der Böden und oft auch vergifteten Grundwasser. .

Die ökologische Folgewirkungen der Bewässerungslandwirtschaft, hängt aber von den Methoden der Bewässerung ab. Moderne Bewässerungsmethoden können die „Wassereffizienz“ bedeutend steigern. (Steigerung der Wassereffizienz bedeutet, dass mit der gleichen Menge Wasser mehr Baumwolle produziert werden kann). Bei gut ausgebauter Tröpfchenbewässerung kann ein Kilo Baumwolle mit einem Bewässerungseinsatz von 7000 Litern produziert werden – allerdings ist das immer noch sieben Mal mehr als für die Produktion eines Kilos Weizen.

Die Anwendung der veralterten Methode „Oberflächenbewässerung“ (zum Beispiel im Sudan, Pakistan, Ägypten oder Kleinasien) bedeutet, dass zu viel Wasser unkontrolliert abfließt und verdunstet. Hier kann der Wert der Wassereffizienz bis zu 29.000 Liter pro Kilo Baumwolle betragen.

Eine bessere Zu- und Ableitung und eine bessere Erschließung von Wasser kann helfen, diesen Wert und damit die Nachhaltigkeit der Baumwollproduktion zu verbessern.

Allgemein gilt: um so mehr eingesetztes Wasser hinterher versickert statt dass es verdunstet, und um so mehr also das „verbrauchte“ Wasser wieder zu Grundwasser wird und als „Oberflächenwasser und Flüsse speist, desto nachhaltiger ist die Produktion. Die UNO-Organisationen für Landwirtschaft (FAO) und Umwelt (UNEP) unterstützen – etwa in Nordafrika bzw. dem Nahen Osten – Bemühungen um die Steigerung der Wassereffizienz durch eine verbesserte Instandhaltung von Bewässerungskanälen.

 

Quellen:

PAN Germany

[Wird fortgesetzt]

 

Auswege?

Die negativen Auswirkungen der intensiven Landwirtschaft steigerten in den letzten Jahren das Bewusstsein für die Notwendigkeit umweltfreundlicher Produktionsmethoden. Das Interesse an Bio-Anbau vereinigt vielfältige Interessensgruppen von Landwirten, die der chemischen Tretmühle entkommen wollen, Unternehmen, die dem zunehmenden Wettbewerb und Umweltauflagen ausgesetzt sind, und von informierten Konsumenten, die nach größerer sozialer und Umwelt orientierter Verantwortung verlangen.

Das wachsende Verbraucherinteresse an ökologisch produzierten Lebensmitteln dehnt sich derzeit auf andere Bereiche der ökologischen Landbewirtschaftung aus, darunter auch die ökologische Erzeugung von Baumwoll-Fasern.

 

Weitere Informationen zur Bio-Baumwolle...

Ergänzung:

 

6. Kinderarbeit auf den Baumwollfeldern Ägyptens

Jährlich werden über eine Million Kinder im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren für verschiedene Tätigkeiten auf den Baumwollfeldern Ägyptens engagiert. Sie können sowohl bei der Ernte der Baumwolle, als auch bei der Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden. In den Sommermonaten müssen die Kinder mit der Hand Reihe für Reihe die Baumwollpflanzen nach einer Raupenart absuchen und die infizierten Blätter entfernen.

Die Verwendung von Kindern ist beliebt, weil die Stauden zu dieser Zeit noch relativ klein sind, und Erwachsene sich den ganzen Tag bücken müssten. Dennoch werden die Pflanzen immer noch vierzehn mal von der Ernte gespritzt, unter anderem mit Mitteln, die von der WHO als "äußerst gefährlich" eingestuft werden.

Kinder sind dabei in höherem Maß gefährdet, da ihre Organe für den Abbau von Schadstoffen noch nicht vollständig ausgebildet sind und die Aufnahme durch ihre dünnen Hautschichten erleichtert ist. Viele leiden folglich an chronischen Augenentzündungen, Nieren- und Leberproblemen oder Atemwegserkrankungen.

Auch diese Form von Kinderarbeit ist nicht frei von Gewalt - nach den Worten eines zehnjährigen Jungen:

"Unser Vorarbeiter ist noch relativ nachsichtig mit uns ... Wenn ein Kind absichtlich eine Staude auslässt, wird es geschlagen, aber nicht, wenn es versehentlich einen Fehler macht.

Er befiehlt ihm die Hände auszustrecken und schlägt mit seinem Stock darauf ein."


Quelle: http://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/baumwolle.htm#egypt

 

 

Baumwolle News

Agenda Setting

Auf den WTO Verhandlungen des Jahres 2003 in Cancún war es vier afrikanischen Baumwollanbauländer gelungen, die Baumwollfrage auf die Tagesordnung zu bringen, obwohl das Thema ursprünglich nicht vorgesehen war. Durch eine gute Öffentlichkeitsarbeit und geschicktes Anknüpfen an die selbst gesteckten Ziele der WTO, mehr Gerechtigkeit im Welthandel zu fördern, war es den afrikanischen  Staaten gelungen  "Agenda-Setting" zu betreiben. Ihr Anliegen war allerdings an der unnachgiebigen Haltung der USA gescheitert. Inzwischen  ist es allerdings die WTO zu einer Verurteilung der Baumwollsubventionen zu bewegen. Die EU hatte sich dazu durchgerungen, die Subvention er Baumwollbauern in Spanien und Griechenland umzustellen, so dass in Zukunft nur noch die Fläche nicht aber die Produktion bezuschusst wird.  Gleichzeitig wurden ökologische Standards festgelegt.

Während China, Indien, Pakistan und die EU Baumwolle im Wesentlich für den eigenen Bedarf anbauen, gibt es drei große Nettoexport-Regionen: Dies sind die USA (rund 50 % der Weltexporte), die Sahel-Länder und Zentralasien (insbesondere Usbekistan). Mit einem Marktanteil von 15 Prozent und einem Exportvolumen von 1,5 Milliarden US-Dolar jährlich war das frankophone Afrika war in den letzten 30 Jahren bis 2003 zur Nummer 2 geworden.

Quelle:

 

Studie empfiehlt Umstellung auf Biobaumwolle

Eine Studie der Uni Wageningen zum weltweiten Baumwollanbau hinsichtlich der Folgen für die Umwelt und den Menschen kommt zu dem Ergebnis, dass Pestizideinsatz und Wasserverbrauch im bewässerten Anbau massive Probleme verursachen. Insbesondere für Regionen, in denen Baumwolle ohne Bewässerung angebaut wird, wird die Umstellung auf den Bio-Anbau empfohlen. Zudem sollten vermehrt auch soziale und handelsrelevante Aspekte in Betracht gezogen werden.

 

Quelle: Organic Cotton Circular 2/06

 

Zunahme von Produkten aus Biobaumwolle

Die Verkäufe von Produkten aus bzw. mit Biobaumwolle haben gemäß eines von Organic Exchange veröffentlichten Berichts zwischen 2001 und 2005 dramatisch zugenommen. Während der Vierjahresperiode stiegen die weltweiten Verkäufe biologischer Baumwollprodukte jährlich schätzungsweise um 35%, von 245 Millionen US $ im Jahre 2001 auf 583 Millionen Dollar 2005.

 

Quelle: Organic Cotton Circular 2/06