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Auswirkungen des Klimawandels
auf das Verhalten der Vögel
Quelle: www.NABU.de |
„Mehr Klimaschutz kann nach den heutigen Erkenntnissen
hochgerechnet eine Million Arten oder mehr vor dem Aussterben retten!“
Chris Thomas,
aktuelle Studie in Nature

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Zugvögel reagieren auf Klimaerwärmung,
Auswirkungen des Klimawandels auf das Verhalten der Vögel
Seit 1860 hat sich die Erde global um durchschnittlich 0,6°C erwärmt.
Gleichzeitig stieg die Niederschlagsmenge auf der Nordhalbkugel um etwa
ein Prozent pro Dekade. Und der Meeresspiegel ist in den letzten 100
Jahren um 10 bis 15 Zentimeter gestiegen. Klimaexperten gehen davon aus,
dass Europa eine stärkere Erwärmung als im globalen Durchschnitt erleben
wird. Generell werden in Europa die Wetterextreme zunehmen: So muss mit
höheren Temperaturextremen, zunehmenden Niederschlägen (im Norden
Europas), Wassermangel (im südlichen Europa) und einer höheren
Überschwemmungsgefahr gerechnet werden |
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Bio-Indikatoren
Vögel werden bei Naturwissenschaftlern häufig für die
Überwachung von ökologischen Prozessen herangezogen; sie stehen
stellvertretend für viele andere Tiere und Pflanzen. |
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Klima bedingt gefährdet sind vor allem
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Tier- und Pflanzenarten mit einem relativ kleinen
Verbreitungsgebiet das geografisch isoliert liegt und an Fläche einbüßen
wird. Dazu zählen zum Beispiel alpine Arten Mitteleuropas, Arten des
Wattenmeeres, der Flussmündungen oder der Mangroven – hier vor allem
Wasser- und Watvögel, die diese Lebensräume als Rast- oder
Überwinterungsgebiete nutzen. Besonders gefährdet sind auch Insel-Arten
bzw. endemische Arten mit inselartigem Vorkommen.
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Arten mit nur geringen Anpassungsfähigkeiten. Dies sind
insbesondere Arten, die Klima bedingten geografischen Verschiebungen
ihrer Bruthabitate nicht folgen können. Für sie verschlechtert sich ihr
Lebensraum am angestammten Platz, oder geht sogar vollständig verloren.
Der Schottische
Fichtenkreuzschnabel wäre nur ein Beispiel für die
Arten, die aufgrund ihrer geringen Anpassungsfähigkeit bei einer
klimatisch bedingten Verschiebung des Lebensraums auf der Strecke
bleiben würden: Der für ihn geeignete Lebensraum wird sich von
Schottland und Irland nach Island verschieben. Die Art besitzt jedoch
nicht die Ausbreitungsfähigkeiten, um Island zu besiedeln.
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Arten, die zwar „mobil“ wären, die jedoch in neuen, für
sie geeigneten Klimazonen weniger oder keine geeigneten Bruthabitate
mehr vorfinden. Solche Arten sind durch die Kombination von Klimawandel
und Lebensraumverlust in besonderem Maße gefährdet (Thomas et al. 2004,
Nature). Beispiel
Spanischer Kaiseradler: Obwohl sich sein potenzielles
Brutareal durch zunehmende Erwärmung eher vergrößern wird, wird es ihm
dort an großen, ungestörten Rückzugsräumen mangeln. Eine typische
Situation für voraussichtlich viele Arten im dicht besiedelten Europa,
das nur noch vergleichsweise wenig naturnahe Flächen bietet, in die
Arten Klima bedingt einwandern könnten.
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Arten, die von zunehmenden Dürreperioden und der
Ausbreitung von Wüsten betroffen sind. Hierunter fallen die
Transsaharazieher unter den europäischen Zugvögeln wie beispielsweise
der
Schilfrohrsänger. Für ihn besteht die Gefahr, dass die im Körperfett
für die Zugstrecke angesammelten Energiereserven für weitere Distanzen
über Wüstenzonen nicht mehr ausreichen. Selbst wenn wir davon ausgehen,
dass zumindest ein Teil der Arten flexibel reagieren wird und in „neue“
Klimazonen ausweichen kann, sind diese Erkenntnisse alarmierend.
Wissenschaftler der Universitäten Durham und Cambridge, der Royal
Society for the Protection of Birds sowie von BirdLife International
haben eine Studie veröffentlicht, nach der sich die Brutgebiete etwa 550
Kilometer nach Nordosten verlagern und um etwa ein Fünftel schrumpfen
werden, wenn wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel ausbleiben. Manche
Arten können bis ins Jahr 2100 aus ihren derzeitigen Brutarealen
verschwinden, für einige nur punktuell vorkommende Arten besteht die
Gefahr auszusterben (Taz vom 29.1.08) |
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Klimawandel wirkt sich bereits aus
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Zugvogelarten haben ihren mittleren Heimzugszeitraum im
Frühjahr in den letzten 40 Jahren um zwei bis elf Tage vorverlegt
(Untersuchungen auf Helgoland von Hüppop & Hüppop, 2002). So kehren
beispielsweise
Mehlschwalben heute etwa zehn Tage früher aus Nordafrika
in ihre mitteleuropäischen Brutgebiete zurück. Früher zurückkehrende
Vögel beginnen oft auch früher mit der Brut, wie es für den bei uns
brütenden
Hausrotschwanz belegt ist.
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Einige Arten „entdecken“ neue, für sie geeignete
Überwinterungsgebiete und ändern mittel- bis langfristig ihre
Zugrichtung. Wissenschaftler der Vogelwarte Radolfzell haben
festgestellt, dass die Mönchsgrasmücke inzwischen größtenteils nicht
mehr im Mittelmeerraum, sondern in Südengland überwintert. Das »Wupp,
Wupp« des
Wiedehopfes könnte man zum Ende des Jahrhunderts in ganz
Deutschland vernehmen. Er gehört wie auch der ebenfalls Wärme liebende
Bienenfresser zu den Profiteuren des Klimawandels
Die größten
Verluste drohen Vögeln der Iberischen Halbinsel sowie den arktischen und
alpinen Arten. So ist damit zu rechnen, dass in Deutschland vermehrt
Wärme liebende Vogelarten aus dem Mittelmeerraum einwandern werden,
während Arten der Feuchtgebiete und bestimmter Waldtypen das Nachsehen
haben. (Taz vom 29.1.08), |
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Durch Klima bedingte Veränderungen ändern
sich auch Konkurrenzverhältnisse zwischen verschiedenen Arten:
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Anpassungsfähige Arten profitieren vom Klimawandel
auf Kosten hoch spezialisierter und weniger robuster Arten. Dies gilt
generell beim Verhältnis von Standvögeln gegenüber Zugvögeln. Standvögel
wie Meisen und
Kleiber brüten heute deutlich früher und besetzen dadurch
die besten Bruthabitate noch bevor die ziehenden Arten zurückgekehrt
sind. Außerdem hat die Wintersterblichkeit bei den Standvögeln durch
mildere Winter abgenommen, was ein weiterer Nachteil für die Zugvögel
ist.
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Weitstreckenzieher unter den Zugvögeln, deren Zugverhalten
genetisch stärker fixiert ist, bleiben buchstäblich auf der Strecke und
erzielen z.T. einen nachlassenden Bruterfolg. Möglicherweise kommt es zu
einer so genannten Desynchronisation zwischen dem Brutzyklus der Vögel
und der Verfügbarkeit von Nahrung (Insekten) während der Jungenaufzucht.
Beispiele hierfür sind
Pirol,
Nachtigall,
Fitis oder
Grauschnäpper
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Wärmeliebende, ursprünglich südeuropäische Vogelarten
dehnen zunehmend ihr Brutgebiet nach Norden aus. Festgestellt wurde dies
für Seidenreiher, Bienenfresser, Orpheusspötter, Weißflügel- und
Weißbartseeschwalbe.
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Arktische Arten, die regelmäßig in Mitteleuropa
überwintern - oder überwintert haben -, sind hier in den letzten Jahren
teilweise seltener geworden. Dies gilt z.B. für
Ohrenlerche,
Schneeammer
oder
Raufußbussard.
Wenn auch einige Arten von den Auswirkungen des
Klimawandels profitieren können und werden, so sind insgesamt deutlich
mehr Verluste an Arten und Individuen zu erwarten als Zunahmen. |
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Konsequenzen aus dem drohenden
Klimawandel für die Artenvielfalt
Exakte Vorhersagen zu treffen ist größtenteils schwierig.
Nach einer aktuellen Studie in Nature vom Januar 2004 ist jedoch
weitgehend unumstritten, dass mit folgenden Konsequenzen gerechnet werden
muss
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Tiere und Pflanzen werden nicht als ganze
Lebensgemeinschaften dem Klimawandel folgen können. Die
unterschiedlichen Anpassungsfähigkeiten der Tiere und Pflanzen werden
stattdessen zu einer Auflösung der Lebensgemeinschaften führen, wie wir
sie heute kennen. Die Netzwerke der Organismen werden zunehmend
auseinander gerissen, und die Ökosysteme werden sich dadurch drastisch
verändern.
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Die Folgen dieses Prozesses sind noch nicht absehbar,
dürften jedoch erheblich sein.
Auch Arten in Schutzgebieten, die wir bisher vermeintlich
als „gesichert“ betrachtet konnten, sind durch den bevorstehenden
Klimawandel akut in Gefahr. Ohne wirksamen Klimaschutz lässt sich
Artenvielfalt daher nicht erhalten. Vielmehr muss befürchtet werden, dass
weltweit unzählige Naturschutzgebiete, Nationalparke und
Biosphärenreservate ihren Schutzzweck nicht erfüllen können, wenn wir
nicht dem Klimawandel gegenlenken. Wirksam gegenlenken lässt sich nur über
eine forcierte Nutzung erneuerbarer Energien, eine effizientere Nutzung
der Energien, sowie drastische Maßnahmen zur Energieeinsparung |
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Quellen: Zusammenstellung des NABU mit Zahlen und Fakten zu
Auswirkungen des Klimawandels auf Vögel nach einer im PDF Format
vorliegenden Pressemitteilung des NABU (Kontakt: NABU-Vogelschutzexperte,
Dr. Markus Nipkow, Tel. 0228-4036-155)
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