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Ortung des Storchenzuges mit Sendern: Von Gülpe bis Südafrika und zurück |
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Vom brandenburgischen Gülpe bis Südafrika:Storchenzug mit dem Sender im Rucksack.Seit 1991 erforscht das Max-Planck-lnstitut für Verhaltensphysiologie an der Vogelwarte Radolfzell en Storchenzug mit Hilfe der Satelliten-Telemetrie. Von der Satelliten-Telemetrie erwarten die Ornithologen neue Informationen und daraus zu ermittelnde Ansatzpunkte für einen wirksamen Weißstorchschutz in den Überwinterungsländern und auf den Zugwegen. Die ersten sechs Störche wurden 1991 mit 45 Gramm schweren Kleinsendern versehen, die den Vögeln wie ein Rucksack übergeschnallt und mit (nach einem halben Jahr zerfallendem) Silikonmaterial befestigt wurden. Einer aus dieser ersten Gruppe wurde kurz vor dem Ausfliegen im brandenburgischen Storchendorf Linum besendert, die anderen fünf im Storchenhof Loburg (Sachsen-Anhalt). Die Sender mit einer maximalen Arbeitsleistung von 60 Tagen waren so geschaltet, dass 12 Stunden Sendezeit mit einer 36stündigen Pause abwechselten. Die Daten wurden vom Nachrichtensatelliten ARGOS gesammelt und von der Bodenstation in Toulouse direkt abgerufen. Doch von vier bis zu diesem Teil Afrikas gelangten Radolfzeller Senderstörchen, flogen drei in diese Region. Das umfangreichste Material lieferte der zweite Weißstorch: Bis zur letzten Sendermeldung nach Beginn des Rückfluges am 27. Februar 1994 in Sambia war der Vogel insgesamt 13404 Kilometer geflogen. Von seinem Heimatnest auf der Gülper Kirche aus (23.8.1993) hatte er die klassische Route der Süd-Ostzieher eingeschlagen: Sudetengebirge (25.8.), östliche Tatra (27.8.), Karpaten (29.8.), Bosporus (1.9.), Golf von Iskenderun (4.9.), Israel. Das Sinaigebirge umflog er westlich, den Golf von Suez überquerte er bei El Thor, der schmälsten, etwa 25 Kilometer breiten Stelle (8.9.). Für Segler wie den Weißstorchen stellt auch diese Meerenge noch eine gefährlich große Wasserfläche dar, die sie ohne tragende thermische Aufwinde, mit den Flügeln rudernd überwinden müssen - oft genug eine Todesfalle für die Süd-Ostzieher, besonders für unerfahrene und geschwächte Jungvögel. Von hier aus flog er über Assuan (10.9.) und Khartoum für neun Wochen in den Südwest-Sudan zu einem der traditionellen Rastplätze (2.9.). Offenbar fand er dort ein hervorragendes Nahrungsangebot an Wanderheuschrecken vor, denn ARGOS meldete während dieser Zeit kaum Standortveränderungen. Mit einem Tagesdurchschnitt von 200 Kilometern hatte der Vogel bis hierher eine Strecke von 6000 Kilometern zurückgelegt. Vom Rastplatz aus flog der Gülper Storch nach Osten zum Nil, von dort in den Süd-Sudan (21.12.) und weiter in großen Tagesetappen über Uganda, Kenia, Tansania, Sambia, Mozambique, Simbabwe und Botswana nach Südafrika (16.1.). Bis zur Rückkehr Ende April 1994 war er 249 Tage unterwegs, davon vier Monate ziehend und vier rastend. Die längste Flugetappe betrug 604 Kilometer. Die wenigen Messungen des Flugtempos bewegten sich sämtlich um eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 40 Kilometern in der Stunde. Bei den telemetrisch verfolgten 35 Jungstörchen variierte es zwischen 30 und 90 Kilometern pro Stunde.
Als der Senderstorch am 27. April sein altes Nest auf der Dorfkirche von Gülpe erreichte, fand er es besetzt vor. Das Weibchen war schon am 30. März zurückgekehrt und bebrütete bereits abwechselnd mit ihrem neuen Partner das Gelege. Im folgenden Kampf um das Nest konnte der Storch seinen Rivalen jedoch wieder vertreiben. Er warf nach dem Sieg die Eier heraus und verpaarte sich mit dem Weibchen - ohne Bruterfolg. Von 1995 an kann das Radolfzeller Team mit Solarsendern weiterarbeiten, die bei einer erwarteten Lebensdauer von fünf Jahren bis dahin ungeahnte(n) Möglichkeiten zur Erforschung detailliertester Zugverhalten bringen. Quelle: Günter Blutke Storchenland Paradies auf Abrufbe.bra Verlag1995 |