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Wirkungskette des Insektenvernichtungs-

mittels Endosulfan

 

"Auf einer Baumwollfarm in Benin lagen einige tote, von Endosulfan besprühte Termiten auf dem Boden.

Ein Frosch, der von den Termiten aß, konnte sich ein paar Minuten später nicht mehr bewegen. Eine Eule schnappte sich den Frosch und setzte sich in der Nähe auf einen Baum, um ihn dort zu fressen. Kurze Zeit später fiel die Eule vom Baum und starb."

 

Beobachtung eines Baumwollbauern,

Banikoara, Benin

 

 

Baumwolle in Benin

Fragile Zukunft einer einstigen "Kolonialware"

Massiv unterstützt von der Weltbank und Frankreich, hat sich Westafrika zu einer führenden Baumwollanbauregion entwickelt: Seit 1990 wurden Anbauflächen und Produktion beinahe verdoppelt, und 2003 kamen bereits 15 Prozent der Weltexporte aus der Region. Benin erwirtschaftet 75 % seiner Devisen mit dem Export von Baumwolle. Über 60% der Bevölkerung ist direkt oder indirekt an der Baumwollwirtschaft beteiligt, 98% der Baumwolle wird exportiert. Die Baumwolle trägt zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes bei, ist aber auch eine Quelle für schwerwiegende Gesundheits- und Umweltprobleme. Die Organisation Béninoise pour la Promotion de l’ Agriculture Biologique (OBEPAB) verzeichnete in der Erntesaison 1999/2000 allein in zwei Anbaugebieten in Benin insgesamt 265 Vergiftungsfälle, 24 davon mit tödlichem Ausgang.

90% aller importierten Agrochemikalien werden im Baumwollanbau eingesetzt. Die Toxizität der eingesetzten Produkte aber auch der weit verbreitete Missbrauch tragen zu Verlusten in der Bodenfruchtbarkeit bei und begünstigen die Resistenzentwicklung von Schädlingen. Die so praktizierte konventionelle Baumwollwirtschaft ist nicht angepasst.

Privatisierung machte Probleme

Seit 1994 wurden in Benin neben den zehn staatlichen Baumwollfabriken der Société national pour la promotion agricole (Sonopra) weitere acht Betriebe zugelassen. Die Produktion blieb dennoch hinter den angestrebten Zielen zurück. In der Erntesaison 2002/2003 wurden statt der geplanten 400 000 nur 320 000 Hektar bestellt und der Ertrag sank von 415 000 im Vorjahr um 23 Prozent auf noch 230000 Tonnen.

Vor der Privatisierung lieferten die staatlichen Baumwollgesellschaften ihre gesamte Produktion (nach Abzug des Saatguts) an die heimischen Fabriken. Das System sicherte den Bauern die Abnahme ihrer Ernte und sorgte für Beschäftigung  in den Ölmühlen und anderen kleinen  Verarbeitungsbetrieben wo Baumwollsamenöl zu Speisefett, dessen Pressrückstände zu Viehfutter verarbeitet werden. In den Nachbarländern Mali, Burkina Faso, Togo und im Tschad ist Baumwollöl das gebräuchlichste Speisefett. Auch in der Elfenbeinküste und in Kamerun gibt es dafür eine große Nachfrage.

Nach der Privatisierung insbesondere im Bereich des maschinellen Loslösens der Baumwollfaser seit Mitte der 1990er Jahre dümpeln die örtlichen Ölmühlen vor sich hin.

Nachfragemacht

Das infolge der BSE Krise in Europa verhängte Verbot der Verfütterung von Tiermehl schaffte eine zahlungskräftigere Nachfrage nach Ölkuchen aus Baumwollsamen und Pressrückständen. Die  Viehfutterkonzerne der Fleisch im Übermaß verzehrenden Wohlstandszonen im Norden können den Binnenmarktpreis leicht überbieten.

Die Folge: Die meisten Ölmühlen in Afrika sind nur noch zu 25 bis 30 Prozent ausgelastet, weil es keine  Baumwollsamen mehr zu zermahlen gibt.

 Bio-Baumwolle in Benin

Offizielle Unterstützung für den biologischen Anbau mit Fruchtfolge und Mischkultur gibt es nicht. Dennoch wurden in Benin 2002/2003 nach Angaben von OBEPAB 185 Tonnen Öko-Rohbaumwolle geerntet. Im Vergleich zum Maikaal-Projekt in Indien, wo in der gleichen Saison rund 2.500 Tonnen Bio-Rohbaumwolle erzeugt wurden, oder mit den 1.800 Tonnen in Tansania scheint das wenig. Doch immerhin konnte  seit 1997/1998 eine Verzwanzigfachung der Bio-Baumwoll-Produktion erreicht werden.

Zum großen Teil liegt das an der Arbeit der OBEPAB, (Organisation Béninoise pour la Promotion de l'Agriculture Biologique), der Organisation zur Förderung des ökologischen Landbaus in Benin . Die in Cotonou ansässige OBEPAB gibt u.a. Hilfestellungen bei der Umstellung der landwirtschaftlichen Betriebsorganisation und engagiert sich im Bereich der fachlichen Aus- und Weiterbildung der Bäuerinnen und Bauern. Seit einem 1995 initiierten Pilot-Projekt unterstützt die OBEPAB den kontrolliert biologischen Baumwollanbau. Neben ihrem lokalen Engagement kooperiert die OPEPAB mit allen staatlichen und privaten Organisationen, die sich den Schutz der Umwelt und die Förderung der biologischen Landwirtschaft zum Ziel gesetzt haben, seht in engem Austausch mit anderen Westafrikanischen Organisationen und ist über ihre Mitgliedschaft im PAN Afrika Vorstand in das internationale Pesticide Action Network eingebunden

Selbst ist der Bauer und die Bäuerin

Die Saat des Neembaums, die durch seine natürlichen Insekten abweisenden Eigenschaften bekannt ist, wird auch im Benin Saat als natürliches Mittel gegen Insekten genutzt. Neem ist für den Menschen, selbst für Kinder völlig unschädlich und kann vor Ort von den Landwirten selbst verarbeitete werden. Um das Neem -Präparat herzustellen, werden die Neemsaamen in Wasser eingeweicht, längere Zeit ziehen gelassen, dann abgefiltert und die so hergestellte Spritzbrühe per selbstgebauter Handspritze in regelmäßigen Abständen in den Baumwollkulturen ausgebracht. Neben Neem werden auch andere Verfahren zur Abwehr unliebsamer Insekten, auf der Basis von Knoblauch und paw paw Blättern eingesetzt.

 

Bodenfruchtbarkeit erhalten und Fördern - mit traditionellen Verfahren

Eine der traditionellen Methoden, das Land zu düngen, besteht in der Herstellung und Ausbringung des sogenannten Tchotchokpo Düngers. Dieser Dünger fällt als Rückstand bei der Gewinnung von Palmöl ab und war, bis die OBEPAB den "Farmer to Farmer" Austausch organisierte, nur den Farmern einer Region bekannt. Die Ausbringung von rund 250 Kg Tchotchokpo vermischt mit rund 50 Kg Asche hat in der Praxis gute Erfolge im Erhalt der Bodenfruchtbarkeit gebracht.

 

Das Erfolgskonzept: Partizipation.

Bei der Weiterentwicklung des Öko-Baumwollanbaus sind die Bäuerinnen und Bauern die wichtigsten Akteure. Die OBEPAB sorgt dafür, dass sich Landwirte aus den verschiedenen Regionen und mit jenen in anderen Ländern austauschen können. Diese partnerschaftliche Verantwortung ist ein wichtiger Faktor bei allen Aktivitäten, wie beispielsweise den regelmäßigen Beratungen durch die OBEPAB vor Ort und die Betriebskontrollen und durch externe Kontrollstellen. Die OBEPAB achtet besonders auf die Kapazitäten der dörflichen Bevölkerung, ihre Probleme selbst zu lösen und unterstützt sie hierbei. Sie organisiert den Austausch zwischen Bauern verschiedener Dörfer und Regionen, um deren unterschiedliche Erfahrungen und Kenntnisse optimal zu nutzen. Hier werden die interessierten Bauern von der OBEPAB betreut und bei der Umstellung von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft unterstützt. Die Unterstützung umfasst sowohl die einzelne Beratung der Farmer vor Ort, als auch die Organisation von Schulungen und dem Austausch zwischen Landwirten unterschiedlicher Regionen.

 

Quellen:

Pestizid Aktions-Netzwerk e.V., Kampagne Cotton Connection, Nernstweg 32-34, D-22765 Hamburg,  www.pan-germany.org

PAN Germany:  Das BIO-Baumwollprojekt der OBEPAB

http://www.pan-germany.org/projekte/cotton/obepab/projekt.htm

 

Studie über Baumwolle in Benin zeigt, dass Biobaumwolle

vergleichsweise lukrativ  ist.

Mit Unterstützung der GTZ Programe "EU-Afrika Partnerschaft für Baumwolle" und "Programm zum Naturschutz und Management Natürlicher Ressourcen" (PRoCGRN) wurde im Jahr 2005 eine Studie zur Wettbewerbsfähigkeit von verschiedenen Baumwollanbaumethoden in Benin durchgeführt.


Der durchschnittliche nationale Nettoertrag für konventionelle Baumwolle ist negativ (-692 Fcfa/ha).

 

Die Bio-Baumwolle betreffend kam die Studie zu folgenden Ergebnissen: Dank ihrer geringen Produktionskosten und dem höheren Verkaufspreis (240 Fcfa/kg) wird der Nettogewinn für Bio-Baumwolle im Zentrum bei etwa 9.440 Fcfa/ha veranschlagt. Bio-Baumwolle ist also in ökonomischer Hinsicht eine profitable Option für wirtschaftlich benachteiligte Gruppen in dieser Region.

 

Quelle: Organic Cotton Circular

   

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